RollenDefinition
Scrum-Rollen: Product Owner, Scrum Master, Developers
Inhalt dieses Artikels

Scrum-Rollen sind die drei Verantwortlichkeiten, die der Scrum Guide im Scrum Team festlegt: Product Owner, Scrum Master und Developers. Jede deckt einen anderen Teil der Arbeit ab, und keine steht über den anderen.
Der Scrum Guide 2020 spricht dabei bewusst nicht von Rollen, sondern von Verantwortlichkeiten. Gemeint ist, wofür jemand einsteht, nicht eine Stellenbezeichnung im Organigramm.
Die drei Scrum-Rollen im Überblick
Ein Scrum Team besteht laut Scrum Guide 2020 aus einem Product Owner, einem Scrum Master und Developers, typischerweise zehn oder weniger Personen. Innerhalb des Teams gibt es keine Teilteams und keine Hierarchie.
| Rolle | verantwortet | entscheidet | typische Frage |
|---|---|---|---|
| Product Owner | Wert des Produkts, Product Backlog | was als Nächstes kommt und in welcher Reihenfolge | „Was bringt den Kundinnen und Kunden jetzt am meisten?“ |
| Scrum Master | Wirksamkeit des Teams, Einführung von Scrum | nichts am Produkt; sorgt dafür, dass die Events stattfinden und Hindernisse beseitigt werden | „Was hindert uns daran, besser zu arbeiten?“ |
| Developers | nutzbares Inkrement in jedem Sprint, Definition of Done | wie ein Eintrag umgesetzt wird und wer was macht | „Wie schaffen wir das Sprint-Ziel?“ |
Ein Beispiel aus einem Team, das eine Lern-App entwickelt: Der Product Owner entscheidet, dass vor dem neuen Quiz-Modus die Anmeldung vereinfacht wird, weil dort die meisten Nutzerinnen abspringen. Die Developers entscheiden, die Anmeldung in zwei Schritten umzubauen und wer welchen übernimmt. Der Scrum Master merkt, dass das Team seit Wochen auf Testdaten wartet, und sorgt dafür, dass die zuständige Abteilung sie liefert.
Warum Scrum die Verantwortung so verteilt
Die drei Scrum-Rollen trennen drei Fragen, die außerhalb von Scrum leicht bei einer einzigen Person landen: was gebaut wird, wie es gebaut wird und ob die Arbeitsweise funktioniert. Wer alle drei Fragen allein beantwortet, hat keine Gegenstimme mehr.
Der Product Owner kann deshalb nicht vorgeben, wie die Developers arbeiten; laut Scrum Guide sagt ihnen niemand, wie sie aus Einträgen ein Inkrement machen. Die Developers wiederum ändern nicht eigenmächtig die Reihenfolge im Backlog. Der Scrum Master entscheidet nichts am Produkt und hat damit keinen Grund, die Arbeitsweise zugunsten eines Termins zu biegen.
Der Product Owner ist laut Scrum Guide eine Person, kein Gremium. Wer den Backlog ändern will, muss ihn überzeugen. So gibt es für jede Frage nach der Reihenfolge genau eine Stelle, die antwortet.
Das gilt auch, wenn ein Team wächst. Wird ein Scrum Team zu groß, soll es sich laut Scrum Guide in mehrere Scrum Teams aufteilen, die am selben Produkt arbeiten. Diese Teams teilen sich ein Produktziel, einen Product Backlog und einen Product Owner. Jedes Team hat eigene Developers, die Verantwortung für die Reihenfolge bleibt an einer Stelle.
Missverständnisse über die Rollen in Scrum
„Der Scrum Master ist der Chef des Teams.“ Der Scrum Master hat keine Weisungsbefugnis. Das Team managt sich laut Scrum Guide selbst und entscheidet intern, wer was wann und wie macht. Der Scrum Master führt, indem er dient, nicht, indem er Aufgaben verteilt.
„Developers sind Programmiererinnen und Programmierer.“ Der Scrum Guide meint mit Developers alle, die am Inkrement arbeiten, ausdrücklich auch Forschende, Analysten und andere Fachleute. Ein Scrum Team in einer Redaktion besteht aus Developers, die schreiben, recherchieren und gestalten.
„Das Entwicklungsteam ist eine eigene Einheit.“ Das Development Team gab es in früheren Fassungen des Scrum Guide. Die Fassung von 2020 hat es abgeschafft, damit kein Wir-und-die zwischen Product Owner und Entwicklung entsteht. Es gibt ein Scrum Team mit drei Verantwortlichkeiten.
„Jede Rolle braucht eine eigene Person.“ Der Scrum Guide erlaubt, dass Product Owner und Scrum Master als Developers mitarbeiten. Was er verlangt, ist, dass jede Verantwortung klar bei jemandem liegt. Unglücklich ist nur die Kombination aus Product Owner und Scrum Master, weil dann niemand mehr die Arbeitsweise gegen den Druck auf das Produkt verteidigt.
Scrum-Rollen und andere agile Rollen
Außerhalb des Scrum Teams kennt der Scrum Guide keine Rollen. Projektleitung und Teamleitung kommen darin nicht vor; ihre klassischen Aufgaben sind auf Product Owner und Developers verteilt, Termine und Budgets regelt die Organisation.
Den Agile Coach gibt es in der Praxis auch, er steht aber in keinem Standard. Er begleitet mehrere Teams und ist an kein Rahmenwerk gebunden. Wie sich alle agilen Rollen zueinander verhalten, zeigt die Übersicht der Rollenseite; wie die drei Scrum-Rollen im Sprint zusammenspielen, erklärt der Artikel über Scrum.
Fragen und Antworten
Welche Rollen gibt es in Scrum?
Der Scrum Guide 2020 nennt drei Verantwortlichkeiten: Product Owner, Scrum Master und Developers. Der Product Owner verantwortet den Wert des Produkts, der Scrum Master die Wirksamkeit des Teams, die Developers ein nutzbares Ergebnis in jedem Sprint. Weitere Rollen wie Projektleitung oder Teamleitung sieht Scrum nicht vor. Den Agile Coach gibt es in der Praxis auch, er steht aber in keinem Standard.
Was ist das Entwicklungsteam in Scrum?
Den Begriff gibt es seit dem Scrum Guide 2020 nicht mehr. Frühere Fassungen sprachen vom Development Team als eigener Einheit im Scrum Team. Die Fassung von 2020 hat es abgeschafft, weil es ein Wir-und-die-Denken zwischen Product Owner und Entwicklung gefördert hatte. Heute gibt es ein Scrum Team mit drei Verantwortlichkeiten, und die Entwicklerinnen und Entwickler heißen Developers.
Kann eine Person mehrere Scrum-Rollen übernehmen?
Der Scrum Guide verbietet es nicht ausdrücklich. Er sieht vor, dass Product Owner und Scrum Master als Developers mitarbeiten, wenn sie selbst an Einträgen im Sprint Backlog arbeiten. Product Owner und Scrum Master in einer Person sind dagegen heikel: Der eine drängt auf mehr Wert im Sprint, der andere schützt die Arbeitsweise. In einer Person fehlt dann der Ausgleich.
Gibt es in Scrum eine Projektleitung?
Nein. Der Scrum Guide kennt keine Projektleitung und keine Teamleitung. Was eine Projektleitung sonst verteilt, ist in Scrum aufgeteilt: Was gebaut wird und in welcher Reihenfolge, entscheidet der Product Owner; wie und von wem, entscheiden die Developers selbst. Termine und Budgets regelt der Scrum Guide nicht, sie bleiben Sache der Organisation.
Was hat sich 2020 an den Scrum-Rollen geändert?
Drei Dinge. Der Scrum Guide spricht seit 2020 von Verantwortlichkeiten statt von Rollen. Das Development Team als eigene Einheit ist weggefallen, es gibt nur noch ein Scrum Team mit Developers. Und das Team managt sich selbst: Es entscheidet nicht nur, wie es arbeitet, sondern auch, wer was macht und woran gearbeitet wird.
Quellen
- Scrum Guide 2020, Abschnitt Scrum Team (abgerufen am 3. Oktober 2026)
- Der Scrum Guide 2020, deutsche Übersetzung (PDF) (abgerufen am 3. Oktober 2026)